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Routine und Risiko – mein unerwarteter Weg nach einer Hernien-OP

Wie aus einem Routineeingriff eine lebensbedrohliche Situation wurde – und warum ich heute dankbarer denn je bin.

Zwischen Routine und Risiko – mein unerwarteter Weg nach einer Hernien-OP

Im März 2025 stand bei mir eine Operation an, die eigentlich Routine sein sollte: eine laparoskopische Versorgung eines Bauchwandbruchs (Hernie).
Ich hatte mich bewusst für eine Tagesklinik in Mainz entschieden und wurde dort von einem erfahrenen Arzt operiert, den ich im Vorfeld persönlich konsultiert hatte. Ich hatte vollstes Vertrauen – und grundsätzlich war das auch berechtigt.

Doch nach der Operation entwickelte sich etwas, womit niemand gerechnet hatte.


Die Stunden nach der Operation

Nach Abschluss der Operation in der Tagesklinik befand ich mich zunächst im Aufwachraum, wo laut Aussage des Personals meine Vitalwerte stabil waren. Anschließend wurde ich in mein Patientenzimmer verlegt, in dem ich planmäßig zwei Tage zur Nachbeobachtung bleiben sollte. Bereits am Mittag wurde mir beim Aufstehen vom Bett zur Toilette plötzlich schwindelig, ich bekam starken Schweißausbruch und Übelkeit. Die anwesende Pflegekraft sagte mir, dies sei „ganz normal“ und ich solle mir keine Sorgen machen. Ich legte mich daraufhin wieder ins Bett. Im weiteren Verlauf des Tages verschlechterte sich mein Zustand zunehmend. Gegen 21 Uhr kam es zu mehrfachem, starkem Erbrechen, was sich im Verlauf der Nacht mehrfach wiederholte. Die Nachtschwester reinigte mich jedes Mal und legte mir, soweit ich mich erinnere, eine Infusion, deren Inhalt mir nicht bekannt war. Gegen 23:30 Uhr trat erneut heftiges Erbrechen auf, verbunden mit starkem Schwitzen und deutlicher Schwäche. Zu diesem Zeitpunkt kam erneut eine Pflegekraft ins Zimmer. Aus meiner Sicht handelte es sich hierbei nicht um eine erfahrene Krankenschwester oder zumindest um eine sehr unerfahrene Pflegekraft, da sie die Schwere meines Zustands über viele Stunden nicht erkannt oder ernst genommen hat. Ich konnte hören, dass sie kurz darauf mit einem Arzt telefonierte, vermutlich dem Anästhesisten der Klinik. Nach meinem Eindruck hatte sie zuvor kurz mein Nachthemd angehoben, möglicherweise um den Bauchbereich zu kontrollieren. Etwa gegen Mitternacht (die genaue Uhrzeit kann ich nicht mehr exakt angeben, die Angaben sind ungefähre Schätzungen) erschien der Arzt im Zimmer. Er machte sofort das Licht an, begann meine Tasche zu packen und sagte mir, dass man mir hier nicht mehr helfen könne und ich sofort ins Krankenhaus müsse. Ich bin mir zu 100 % sicher, dass erst zu diesem Zeitpunkt ein Arzt anwesend war. Eine ärztliche Untersuchung wurde nicht durchgeführt; der Arzt teilte mir lediglich mit, dass er einen Krankenwagen gerufen habe.


Der Moment, der mir das Leben rettete

Ich wurde daraufhin per Rettungswagen in die Notaufnahme der Universitätsmedizin Mainz gebracht. Ab diesem Moment ging alles sehr schnell – es erfolgte ein CT, bei dem die Ursache erkannt wurde, und ich wurde unmittelbar danach notoperiert. Aus meiner Sicht lag hier ein Versäumnis in der postoperativen Überwachung und Betreuung in der Tagesklinik vor. Die Symptome (anhaltendes Erbrechen, Kreislaufprobleme, starkes Schwitzen) hätten deutlich früher ärztlich abgeklärt und behandelt werden müssen. An dieser Stelle möchte ich sehr deutlich sagen:

Ich bin unglaublich dankbar für die Hilfe, die ich in dieser Nacht erhalten habe.
Die schnelle Reaktion hat mir das Leben gerettet.

Die Menschen, die mich dort behandelt haben, verdienen meinen größten Respekt.
Ohne sie würde ich diesen Text nicht schreiben.


Warum ich dennoch ein Schlichtungsverfahren angestoßen habe

Mein Anliegen richtet sich nicht gegen die Ärztinnen und Ärzte, die mich gerettet haben.
Ich möchte vielmehr klären, wie es zu dieser lebensbedrohlichen Situation kommen konnte und warum die Beschwerden über viele Stunden nicht richtig eingeordnet wurden.

Deshalb habe ich den Schlichtungsausschuss der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz eingeschaltet.
Das Verfahren prüft neutral, ob im Verlauf der ersten Behandlung in der Tagesklinik alles dem fachlichen Standard entsprach.

Es geht dabei nicht um Schuld oder Vorwürfe, sondern um:

  • Transparenz
  • Aufarbeitung
  • Patientensicherheit

Warum ich meine Geschichte teile

Ich erzähle das nicht, um jemanden zu belasten oder öffentlich anzugreifen.
Ich möchte zeigen, dass:

  • selbst Routineeingriffe Risiken haben können,
  • man als Patient seine eigenen Symptome ernst nehmen muss,
  • und dass es Wege gibt, mögliche Fehler neutral prüfen zu lassen – ohne direkt vor Gericht zu ziehen.

Am Ende bleibt für mich vor allem eines:

Dankbarkeit, dass ich heute lebe.
Und der Wunsch, dass meine Erfahrung vielleicht anderen hilft, mutiger für sich selbst einzustehen.


Deine Erfahrungen?

Wenn dir etwas Ähnliches passiert ist oder du selbst Erfahrungen mit Schlichtungsverfahren oder Komplikationen nach Operationen hast – melde dich gerne.
Vielleicht können wir voneinander lernen oder einfach ein offenes Ohr bieten.

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